Auf den Hund gekommen …

„Wieso hat der Mann 3(!) Hunde??“, fragen kleine Kinder oft ihre Eltern, wenn ich mit meinen drei Jungs an ihnen vorübergehe. Die Antworten der Eltern höre ich dann nicht mehr – entweder, weil ich schon weiter weg bin, oder weil es ihnen peinlich ist, laut ihre Erklärung dafür zu präsentieren 😉

Aber ja, die Frage ist für Nicht-Hundebesitzer verständlich, wieso DREI? Einer würde doch auch reichen, oder nicht? Auch wenn ich mir selbst darüber Gedanken mache, kann ich es nicht wirklich rational begründen. Ich würde spontan sagen: es können gar nicht genug sein 🙂

Schon als kleines Kind fühlte ich mich von Hunden magisch angezogen. Leider gab es in unserer Verwand- und Bekanntschaft damals keinen Hund, somit waren meine Begegnungen rar und nie richtig persönlich. Mit 11 Jahren bestellte ich in einer Zoohandlung telefonisch mit verstellter Stimme einen Rauhaardackel für meine Großmutter als Geburtstagsüberraschung, in der Hoffnung, wenn er schon mal da wäre, würden sie ihn behalten und ich hätte dann quasi einen „eigenen“ Hund. Doch meine Oma wies den erst verdutzten, dann verärgerten Tierhändler energisch ab und – wusste sofort, woher der Wind wehte. Ich kam mit einer Moralpredigt davon, Hund hatte ich leider immer noch keinen. Mit 13 las ich das Buch So kam der Mensch auf den Hund von Konrad Lorenz. Total fasziniert und beeindruckt schrieb ich einen Brief an den berühmten Professor, über meine Leidenschaft für Hunde, mit der Bitte um einen Rat, wie ich zu einem Hund kommen könnte. Vielleicht hatte ich den Brief nicht richtig adressiert – jedenfalls kam nie eine Antwort.

Gordonsetter ILTSCHI

Nach meinem Schulabschluss, als ich studierte und nebenher arbeitete, konnte ich mir erstmals selbst meinen Traum erfüllen: eine kleine Gordonsetter Hündin – „Iltschi“ – zog bei mir ein. Erstmals erlebte ich, wie es war, für ein anderes Lebewesen verantwortlich zu sein, und dass die Realität der Hundehaltung sich immer wieder deutlich von meinen naiven Träumereien unterschied. Als ich dann ein knappes Jahr später die Möglichkeit erhielt, eine kombinierte Arbeits- und Studienstelle in Wien anzutreten, brachte mich das in einen argen Konflikt, aber als die Züchterin sich bereit erklärte, die Hündin zu sich zu nehmen, trennte ich mich von ihr.

So vergingen zwanzig weitere Jahre des Lernens, Arbeitens und Reisens bis ich eine Stelle hatte, die sich mit dem Halten eines Hundes vereinbaren ließ. Diesmal fiel meine Wahl auf eine Rhodesian Ridgeback Hündin, und obwohl sie vom Verhalten her nicht einfach war und ich eigentlich vorrangig Theoretiker der Hundehaltung, würde ich diese Beziehung als Volltreffer bezeichnen. „Shani“ begleitete mich sechseinhalb Jahre lang überall hin, zur Arbeit, zum Sport, in Gaststätten, auf Zug- und Busfahrten, sie war meine große Liebe und ließ mich geduldig an ihr lernen und damit mehr Vertrauen und Sicherheit als Hundehalter entwickeln.

Rhodesian Ridgeback SHABABU SHANI

Vier Jahre später entstand in mir der Wunsch, einen zweiten Hund zu Shani dazu zu nehmen. Nach vielen Überlegungen entschied ich mich für einen Magyar Vizsla, einen Rüden. Drei Tage lang wollte Shani von ihm nichts wissen, dann hatte er sie überzeugt: zu zweit war es viel lustiger 🙂 Hari vom Grahof hieß er, freuen kann er sich bis heute über alles und jeden, immer gut aufgelegt, nie aggressiv gegen andere Lebewesen, ich nannte ihn „Fridolin“. Zwei Jahre lang durfte ich mit diesem Duo durch die Wälder streifen, dann bekam Shani Lymphdrüsenkrebs und lebte nur noch drei Wochen. Ich war erschüttert, und wenn Frido nicht gewesen wäre, dessen freudige Energie ungebrochen war, hätte mich das wohl in ein tiefes Loch geworfen. So aber forderte er ständig meine Aufmerksamkeit und half mir sehr über diesen Abschied hinweg.

Shani ist seither ein Stück weit immer in mir präsent, auch in der „Person“ von Amani of Clemen´s k&k Lionscourt, dem Ridgebackrüden, der zwei Monate später bei uns einzog. Amani entwickelte sich über die Jahre zum Leithund des Rudels, dank der Unkompliziertheit von Frido war es auch nur selten nötig, Konflikte zwischen den beiden Rüden zu schlichten. Die beiden harmonieren gut mitsammen, obwohl sie völlig verschiedene Charaktere verkörpern.

Wieder waren es vier Jahre, welche die beiden mich begleiteten, als in mir immer stärker der Wunsch reifte, noch einen dritten Hund ins Rudel aufzunehmen. Ich wägte lange ab, ob Rüde oder Hündin, bzw. welche Rasse sich dafür eignen könnte, und schließlich wurde es ein Whippet. Asterix of Almir´s family Whippets eroberte sich seinen Platz im Rudel innerhalb eines Tages, nur kurz wurde er von den anderen skeptisch beäugt, bevor sie ihn als quasi nicht ernstzunehmenden Konkurrenten einstuften und beide dazu herabließen, mit dem Kleinen, der von mir den Namen „Paul“ bekam, zu spielen.

So, und daher hat „der Mann“ seit mittlerweile schon wieder vier Jahren drei Hunde 🙂

Da gibt es einiges zu erleben und zu erzählen, denn – wie eingangs beschrieben – reagiert die Umgebung nicht immer freundlich und verständnisvoll, wenn ein Mann mit drei Hunden entgegenkommt. Für mich selbst hingegen gibt es keine Zweifel: ich erfreue mich täglich daran, dermaßen „auf den Hund gekommen“ zu sein.

 



Eine Antwort zu “Auf den Hund gekommen …”

  1. Eine interessante Geschichte !!!
    warum nicht doppelt ?

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