Der Neue im Rudel

Am Sonntag war es soweit: Ich packte nach einem einstündigen Waldspaziergang meine Gang ins Auto und fuhr los nach Kirchroth in Niederbayern. Uwe, der Züchter, kam mit dem kleinen Baikal aus der entgegengesetzten Richtung. Das war sehr, sehr entlastend für mich, denn so hatte ich lediglich 366km pro Strecke zu fahren, alles durchgehend auf der Autobahn. Nach einigen kleineren Verzögerungen durch Baustellen und die Grenzwartezeit bei der Einreise nach Deutschland traf ich nach dreieinhalb Stunden am Ortsrand von Kirchroth ein, Uwe kam nach einigen Minuten an, und wir ließen die Hunde bei einem Spaziergang durch die Felder laufen und sich bewegen. Danach wechselte Baikal Besitzer und Auto, ich setzte ihn in einen Kennel auf der Rückbank und war gespannt, wie die Fahrt laufen würde 

Die lange Rückfahrt:

Kaum waren wir auf der Autobahn, legte er sich hin und machte die halbe Fahrt keinen Mucks. In Linz wachte er auf und wurde aktiv, ich überlegte mir schon, wo ich eine Rast einlegen würde, doch dann machte er es sich wieder bequem und schlief oder döste die restliche Fahrt bis nach Hause. Cool. Dort hielten wir gleich am Waldrand und belohnten uns mit einem Spaziergang durch die Natur für das lange unbewegte Sitzen. Baikal schien sehr beeindruckt von der neuen Umgebung, jedenfalls kam ihm nicht in den Sinn, sich zu lösen.

Die Sache mit der Stubenreinheit:

Daheim gab es gleich etwas zu fressen, doch er wollte heute gar nichts. Auch im Garten danach: Kein Pinkeln, kein Kot. Na gut. Also um Mitternacht noch mal raus mit ihm, er wieder sehr interessiert an allen Gerüchen, aber wieder kein Lösen. So kam es, wie es kommen musste: Um halb vier Uhr morgens hörte ich es plätschern … Baikal war dabei so rücksichtsvoll, dass er auf den Parkettboden pinkelte und die Teppiche verschonte. Ich springe sofort auf, trage ihn runter in den Garten, aber er hatte offenbar schon alles gegeben, denn es kam nichts mehr  … zurück ins Bett, bis es um halb sieben erneut plätscherte – an hübsch der gleichen Stelle wie vor drei Stunden … uff. Na gut. Nach dem gemeinsamen Walk hatte er zumindest seinen Appetit wieder entdeckt, Gott sei Dank. Den ganzen Tag war ich mit ihm alle zwei Stunden im Garten und animierte ihn dazu, sich zu lösen, pinkelte sogar selbst, um mich verständlich zu machen  … langsam schien er zu verstehen, worum es ging. Er suchte dafür sogar jedesmal die gleiche Stelle auf. Auch abends. Am Dienstag um sechs Uhr früh ging er zielstrebig zu „seiner“ Stelle, pinkelte und setzte auch gleich Kot ab. Wow. Erstaunlich, womit ein Welpe einen erwachsenen Mann so erleichtern und beglücken kann  … wir setzen das in diesem Sinne fort und hoffen auf ein Minimieren der „Unfälle“ in der Wohnung.

Die Sache mit dem Bett:

Dazu muss ich sagen, dass meine Hunde bei mir im Bett schlafen, bzw. auf der Matratze auf Lattenrost am Boden. Diese misst 200 x 160cm.  Frido und Amani liegen auf der einen Hälfte, ich auf der anderen. Paul kommt nach Bedarf mal kurz unter die Decke, geht dann aber meist wieder zurück aufs Sofa, wo er am liebsten schläft. Ich möchte Baikal von Anfang an an einen Schlafplatz neben dem Bett gewöhnen, da ein so riesiger Hund nicht auch noch auf die Matratze passt. Gleich in der ersten Nacht führte ich ihn in den Kennel, der am Fußende des Bettes steht. Da ich den Kennel nicht verschließen wollte, kam er mehrmals raus, ich führte ihn wieder rein, bis er sich schließlich drinnen hinlegte. Kaum war ich im Bett, kam er wieder raus und sprang aufs Sofa neben Paul, den Whippet. Auch gut, dachte ich mir, dort kannst du gerne schlafen. Das funktionierte gut (bis auf die erwähnte Sache mit dem Plätschern natürlich). In der zweiten Nacht dasselbe Spiel, erst in den Kennel, dann auf das Sofa. Irgendwann in der Morgendämmerung dämmerte es auch mir, dass sich da etwas neben mich kuschelte, ohne dass ich es bemerkt hatte. Ha! So ein Gauner. Gut, so pinkelt er zumindest nirgendwo hin, dachte ich mir und war schon wieder eingeschlafen. Ähnlich lief es auch in der dritten Nacht. Brav legt er sich am Anfang aufs Sofa, und während ich schlief, wechselte er auf die Matratze. Noch ist das platzmäßig leicht möglich, aber … da sollte ich eine konsequente Lösung anstreben, ich weiß.

Andere neue Konzepte:

Er lernt schnell. Zum Beispiel beim Treppensteigen. Zu Beginn betrachtete er Treppen mit mehr als fünf Stufen als unüberwindbar. Jetzt läuft er bereits über eine lange gewundene Treppe nach oben, nach unten muss ich ihn noch tragen, scheinbar, weil er nicht sieht, wo es hingeht. Aber ich bin sicher, dass er das auch bald schaffen wird. Oder an der Leine gehen. In die gleiche Richtung wie ich  … das ist ihm noch fremd. Wenn Autos oder Motorräder vorüberfahren, fürchtet er sich sehr. Die anderen drei sind da extrem hilfreich, weil er sich an ihnen orientieren kann. Oder sein (neuer) Futterplatz, sein (neues) Brustgeschirr, die Situation im Büro, etc., etc. – So viele neue Konzepte, Eindrücke, Gerüche, Bilder.

Aus Baikal wird Ecco:

Nach drei Tagen habe ich auch einen Namen für „den Neuen“ gefunden: „Ecco“ – italienisch für „da“, „hier“, „eccomi“ heißt soviel wie „hier bin ich“, weil er so selbstbewusst daherkommt und mir immer wieder ungebremst auf den Schoß springt, als wollte er verkünden: Hier bin ich! – Noch ein neues Konzept für den Kleinen. Große Herausforderungen. Sein neues Herrchen verstehen, auf Heranrufen reagieren, ein „No“ richtig deuten, ein „Bleib“ kapieren, wirklich große Herausforderungen.

Für mich selbst ist die größte Herausforderung, geduldig und gelassen zu bleiben, egal, ob Ecco jetzt mehr oder weniger schnelle Fortschritte macht, wie viel er in seiner Neugier und dem Drang, zu erkunden und sich auszuprobieren, anstellt, und ihm zu vermitteln, dass ich für ihn da bin und er sich bei mir geborgen fühlen darf. Meine drei Jungs unterstützen mich da wirklich toll, sie sind total entspannt und nachsichtig mit dem Kleinen, von ihrer Art zu kommunizieren kann ich mir einiges abschauen.

 



Eine Antwort zu “Der Neue im Rudel”

  1. Sandie sagt:

    Oh wie schön!! Aisha & iich freuen uns schon auf klein Ecco!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.