Erste Weitwanderung zu Fünft (Mödling – Baden – Theresienwarte – Pfaffstättner Kogel – Anninger – Mödling)

Nachdem längeres und schnelleres Laufen speziell bei Amani auf wenig Gegenliebe stößt und es zudem für den mittlerweile sechs Monate alten Ecco dafür noch zu früh ist, habe ich mich mehr aufs Wandern, neudeutsch „Hiking“, verlegt. Dabei verzichtete ich diesen Sommer wegen Ecco auf anspruchsvollere Bergwanderungen wie im letzten Jahr (siehe z.B. https://www.youtube.com/watch?v=KSOjj-hDbFk), sondern ging mit dem Rudel drei- bis viermal pro Woche kürzere Touren durch die Hügellandschaft des Wienerwalds.

Nach der letzten Woche, die wettermäßig feucht und unbeständig war, gab es gestern den ersten sonnigen Tag, welchen ich für unsere erste längere Tour nutzen wollte, auch um herauszufinden, ob und wie mehrtägige Hikes mit den vier Hunden schon vorstellbar sind. Wir starteten um 8 Uhr früh bei der Goldenen Stiege in Mödling, der Parkplatz war noch menschenleer, die Mäuse waren bereit. 

Nach dem „Lust und Frust“- Erlebnis im vorigen Monat (http://mehrhundhalter.com/2017/09/05/von-lust-und-frust/) war ich dazu übergegangen, immer nur einen der Hunde, nach einer Woche dann zwei von ihnen abwechselnd frei laufen zu lassen (außer Paul, der blieb immer an der Leine, tja …). Dadurch wurde die Zusammengehörigkeit des Rudels und mir stärker betont, und es kam nicht ein einziges Mal vor, dass einer der „Freigänger“ einen Ausflug unternahm.

Gestern leinte ich Paul noch im Auto an und ließ die anderen drei frei laufen, damit sie erst mal ihre Geschäfte verrichten konnten. Das erwies sich leider als Fehler. Ich kam keine zwanzig Meter weit in den Wald, als sie ein Reh witterten und alle drei (Frido, der alte Depp, Amani, der sonst für alles zu bequem ist, und Ecco, voller Neugierde und Begeisterung) blitzschnell durch dichtes Gestrüpp steil bergauf das Reh verfolgten. Da stand ich nun, ich armer Tor …

Während Paul an der Leine angespannt auf und ab hüpfte, überlegte ich im ersten Frust, die Hunde ins Auto zu packen und wieder nach Hause zu fahren. Doch es war klar meiner Unaufmerksamkeit und Unüberlegtheit zuzuschreiben, dass ich von der bewährten Routine abgewichen war, in Gedanken schon beim Ablauf der Wanderung. Also atmete ich tief durch, entspannte mich, ließ unseren Pfiff hören, und nach zwei, drei Minuten waren alle drei Ausreißer wieder da. Nun aber war klar: Heute gilt für alle Leinenpflicht.

Über einen steilen und felsigen Anstieg erreichten wir den Beginn des Beethoven Wanderwegs. Noch war niemand unterwegs, nur zwei frühe Biker kamen bereits vom Anninger herunter. Ich hatte mir schon überlegt, die Trekkingstöcke mitzunehmen, die Vorstellung von vier Leinen und zwei Stöcken erschien mir dann aber eine Überforderung für meine zwei Hände. Stattdessen befestigte ich je einen Karabiner links und rechts am Bauchgurt des Rucksacks, und an jedem Karabiner zwei der Leinen. So wollte ich versuchen, die Hände halbwegs frei zu haben. Das sah dann so aus wie auf dem Video.

 

Interessant war, dass die Hunde von Beginn an problemlos an meiner Seite liefen, ohne ständig an den Leinen zu ruckeln oder zu zerren. Speziell rechts, wo Amani und Paul befestigt waren, war kaum wahrzunehmen, dass etwas an meinem Rucksackgurt befestigt war. Links musste ich ab und zu Frido befreien, weil er wieder mal über die Leine gestiegen war, und natürlich Eccos Leine manchmal mit der Hand führen, weil er irgendwas um uns herum besonders spannend fand und daher stehen blieb, sei es ein Vogelgeräusch, ein anderer Hund in Sichtweite oder auch passierende Reiter oder Biker. Die Leinen, die ich verwende sind sogenannte „Mountain-Rope“ Leinen von Hurtta, nur 1,20m lang, was den Vorteil hat, dass die Hunde (außer Frido, tja) nicht so leicht darüber stolpern können, aber den Nachteil, dass ein Stehenbleiben, Vorauslaufen oder ein Satz zur Seite für mich sofort direkt spürbar ist. Dafür kann ich sie alle sofort halten und unter Kontrolle bringen, wenn es nötig ist, was sich bei einer Leine mit Ruckdämpfer immer schwieriger darstellt.

 

Das Wetter war schön, die Temperatur angenehm, bei ca. 15 Grad Celsius. Der Beethoven Wanderweg führt ca. 10km lang mehr oder weniger eben durch den Wald, wobei er zwischendurch immer wieder den Blick auf Weingärten oder die Aussicht auf die im Tal liegenden Ortschaften freigibt. 

    

Nach zwei Stunden wandern gab es die erste Pause. Es wunderte mich, dass die Hunde kaum bzw. gar nicht von dem mitgetragenen Wasser tranken. Ich gönnte mir ein Snickers und einen Apfel, und nach zehn Minuten brachen wir auch schon wieder auf.

Inzwischen waren wir oberhalb von Baden angelangt und es ergaben sich ziemliche Schwierigkeiten mit den Wegmarkierungen. Eigentlich wollte ich ja noch weiter, bis auf den Hohen Lindkogel, was sicher noch einmal eineinhalb Stunden bedeutet hätte, aber erstens waren hier so viele Abzweigungen ohne Markierung, dass ich keine Ahnung mehr hatte, wo es nun weiterging, und zweitens drückten mich die Schuhe, die ich für den Hike gewählt hatte, gewaltig. Es waren noch relativ neue Trailrunningschuhe (der Apex II von Viking), aber die Sohle und die Fersenkappe waren mir viel zu steif und fest, so dass ich einerseits mit den Füßen kein gutes Gespür für die Bodenbeschaffenheiten hatte und andererseits merkte, dass sich im Zehenbereich Blasen anbahnten. 

 

Somit beschloss ich, nach einem kurzen Abstecher auf die Theresienwarte, den Rückweg anzutreten. Dieser 18m hohe Holzturm ist über Metallstiegen begehbar, durch die man immer bis ganz hinunter blicken kann. Da wollten die Hunde gar nicht mitgehen, ich band sie daher unten an und gönnte mir alleine den Aufstieg. Hier der Ausblick von der Theresienwarte auf Baden.

Ab dort suchte ich nach dem Mödlinger Rundwanderweg, der mit 448 gekennzeichnet ist, aber es war schwer, diesen nachzuverfolgen. Bald war er überdeutlich markiert, dann, trotz mehrerer Abzweigungen, überhaupt nicht. So fanden wir uns letztlich auf einem ziemlich steilen und anstrengenden Weg, der uns zur Rudolf Proksch Hütte und auf den Pfaffstättner Kogel führte. Da es mittlerweile ziemlich windig geworden war, hielten wir uns dort nicht lange auf und marschierten gleich weiter Richtung Anninger, den höchsten Punkt unserer Tour. Kurz davor machten wir noch einen Abstecher auf die Wilhelmswarte, noch ein Aussichtspunkt, wo wir nach 18km wieder eine kurze Rast einschoben. Wieder war es so, dass die Hunde zwar über ihre Snacks herfielen, jedoch kaum etwas vom Wasser tranken, was mich erstaunte. Aber scheinbar ist ihr Durst bei gemäßigten Temperaturen gar nicht so groß.

Außer zwei Bikern trafen wir dort niemanden. Da die Karte den Weg nicht klar anzeigte, folgte ich dann den beiden, was uns nicht mehr zum Anninger Schutzhaus, sondern steil bergab durch den Wald führte, über einen Pfad, der scheinbar nur von „Downhillern“ benutzt wurde. Immer wieder mussten wir über felsige Passagen, über oder unter umgestürzten Baumstämmen durch. Für meine schmerzenden Füße sehr unangenehm, dafür eine deutliche Abkürzung gegenüber allen Wanderwegen 

Schlussendlich mündete dieser Bikerpfad wieder in den Beethoven Wanderweg, auf dem wir die letzten Kilometer bis zum Parkplatz liefen. Jetzt um die Mittagszeit waren bereits viele Wanderer unterwegs und wir bekamen immer wieder positives Feedback dafür, wie brav die Hunde an der Leine liefen, wie schön das Rudel anzusehen war, bzw. von einem Jäger im Geländewagen das Lob, wie vorbildlich die Hunde an der Leine geführt würden … dabei wäre mir – und wahrscheinlich nicht nur mir – viel lieber, ich könnte sie immer frei laufen lassen.

Gegen Ende hin war spürbar, dass auch die Hunde müde wurden, sogar Ecco war deutlich weniger an der Umgebung interessiert als in den ersten Stunden. So kamen wir nach 5 Stunden 55 Minuten und 25 gewanderten Kilometern bei 915 Höhenmetern müde und hungrig, aber wohlbehalten beim Auto an. Ich habe mich sehr darüber gefreut, wie harmonisch das Wandern mit dem Rudel verlaufen ist. Bis auf den Kurzausflug zu Beginn gab es auf der ganzen Runde überhaupt keine Schwierigkeiten, weder bei Hundebegegnungen, noch bei anspruchsvollen Wegpassagen. Die Variante mit der Leinenbefestigung hat sich bewährt, ich werde beim nächsten Mal nun doch auch die Stöcke mitnehmen.

 

Der restliche Tag bestand aus Essen, Trinken, Relaxen, Essen und Schlafen  

Schließlich hatten wir uns das redlich verdient.



Eine Antwort zu “Erste Weitwanderung zu Fünft (Mödling – Baden – Theresienwarte – Pfaffstättner Kogel – Anninger – Mödling)”

  1. Kurt Aufderklamm sagt:

    Großartig Markus 👍👍👍 Gratulier dir und auch den braven gelehrigen Hunden 🤠😇😇😇

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