Eine völlig neue Perspektive …

Ich bin mittlerweile seit über 20 Jahren Hundehalter. Seit 12 Jahren halte ich zwei, seit fünf Jahren drei und jetzt seit einem halben Jahr vier Hunde. Und ich war seit meiner Militärzeit nicht ein einziges Mal krank gewesen, also seit 30 Jahren. Gedanken daran, dass „etwas sein“ könnte, eine Krankheit oder eine Verletzung, tauchten erst gar nicht auf. Ich bewege mich sehr viel, achte auf meine Ernährung (was oft komplizierter ist, als man meinen möchte) und meinen Lebensstil – und so traf es mich vor 10 Tagen aus dem sprichwörtlichen heiteren Himmel. Zuerst, nach dem Morgenspaziergang, ein Brennen beim Harnlassen, dann ein ausgesprochen ungutes Gefühl im Unterbauch, schließlich ab abends die Unmöglichkeit, Wasser zu lassen. In der Meinung, dass es, wenn die Blase nur richtig voll wäre, schon gehen würde, trank ich immer mehr, bis ich ab ca. 3 Uhr früh so einen Harndrang entwickelte, dass ich wirklich alle 5 Minuten vergeblich auf die Toilette stürzte. In der Früh war klar (es war Sonntag), ich musste schleunigst in die Ambulanz des Krankenhauses. Was aber tun mit den Hunden? Im Auto mitnehmen? Bei dem schönen Spätherbstwetter keine gute Idee. Wer weiß, wie lange das dauern würde. Also rief ich um 7 Uhr früh meine zuverlässige Hundenanny an und hatte Glück: Sie war im Lande und hatte Zeit und Platz für mein Rudel sowie Verständnis für meine Situation. Gott sei Dank! Zwei Stunden später war meine Blase mittels gesetzten Katheters entleert (sie enthielt 1,3 l Flüssigkeit, was sich anfühlte, als würde sie jeden Moment platzen), und ich war stationär aufgenommen und erhielt die ersten Infusionen.

Das traf mich schwer. Mein erster Krankenhausaufenthalt seit meiner Geburt. Und so langsam, aber dafür deutlich, wurde mir bewusst, dass es keine Gesundheitsgarantie“ gibt, und meine Sicherheit, dass mir ja Nichts passieren könne, schlug in die andere Richtung um, in Angst und Sorge, wie ich denn tun würde, sollten sich solche Ereignisse häufen. Die Krankengeschichten meiner drei Zimmerkumpanen im Krankenhaus, die ich innerhalb des ersten Tages unfreiwillig mitbekam, eröffneten eine eher bedrohliche Perspektive. Müsste ich ab jetzt solche Situationen einplanen? Meine Hundenanny ist eine gute Bekannte mit viel Hundeerfahrung. Ich vertraue ihr die Hunde ohne Bedenken an, die Hunde gehen gerne zu ihr, aber: Sie ist leider die einzige Person, die ich kenne, die bereit und in der Lage ist, ein Rudel von vier unkastrierten Rüden aufzunehmen, und ja, auch sie fährt manchmal auf Urlaub und auch sie ist manchmal krank. Was, wenn sich das überschneiden sollte? Die Hunde trennen? Für jeden einen extra Platz suchen? Kein gutes Gefühl. Plötzlich erkannte ich, welche Probleme sich da ergeben könnten, wenn ich mal außer Gefecht bin. Bis dahin hatte ich das einfach ignoriert.

Und ich erinnerte mich an Gespräche mit älteren Menschen auf der Straße, die sich angesichts meines Rudels wohlwollend äußerten und meinten: „Ja, Hunde sind so etwas Schönes, ich hatte mein Leben lang Hunde. Aber jetzt bin ich leider schon zu alt. Was soll mit dem Hund passieren, wenn mit mir etwas ist.“ Ich kann jetzt besser mitfühlen, wie es diesen Menschen geht, auch wenn ich noch nicht so alt bin. So gesehen ist es verrückt, mehrere Hunde zu halten, wenn man nicht Familie hat, die jederzeit für einen einspringen kann. Aber was wäre die Konsequenz? Das Rudel wieder reduzieren? Denn jemanden zu finden, der oder die alle vier auf einmal nehmen kann und will … denkt man diese Gedanken zu Ende, führt das Hundehaltung per se ad absurdum, denn jedem von uns kann jederzeit „etwas passieren“, oder gar die letzte Stunde schlagen. Und wenn man das die ganze Zeit im Hinterkopf hat, wie kann man sich dann noch des Lebens freuen?

Mit den Tagen ging es mir wieder etwas besser, das Fieber war weg, und nach fünf Tagen durfte ich wieder nach Hause, wobei der Katheter vorläufig noch drin blieb. Deutlich geschwächt holte ich die Hunde wieder ab und merkte abermals, dass es nicht so selbstverständlich ist, mit vier Hunden, die zusammen 115kg wiegen, an der Leine spazieren zu gehen. Es dauerte ca.10 Minuten und einige Schweißausbrüche meinerseits, bis die Jungs wieder heruntergefahren waren und nicht mehr aufgeregt herumzappelten. Dann gingen wir noch 45 Minuten durch den Wald, wobei ich sie abwechselnd ableinte. Jetzt bin ich noch eine Woche mit Katheter unterwegs, was mich beim Gehen natürlich einschränkt, aber zumindest kommen meine Kräfte mit jedem Tag spürbar mehr zurück. Statt der üblichen 12 bis 14 km täglich sind es zur Zeit nur 6 bis 8 km, dazwischen mit viel Ruhe und Liegen. Die Hunde haben sich hervorragend an diesen Rhythmus angepasst, und ich bin dankbar für jeden Spaziergang und darüber, dass es in Anbetracht der Umstände so gut läuft.

 

Die Moral von der Geschichte: Ich schätze den Wert und die Qualität der Spaziergänge in der Natur mit meinen vier Jungs nun viel bewusster. Ich werde mich ernsthaft um einen Plan B kümmern, für den Fall, dass meine Bekannte einmal keine Zeit haben sollte (Ich bin für jeden Tipp oder Hinweis von LeserInnen diesbezüglich dankbar). Und ich werde, soweit es in meiner Macht liegt, noch bewusster auf meine Gesundheit achten.



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