AMANI (16.08.08 – 26.04.18)

Amani ist nicht mehr da. Er ist gestern gegangen. In den Hundehimmel, über die Regenbogenbrücke, wohin immer. Nach neun Jahren und acht Monaten.

Ich weiß nur, dass es weh tut. Sehr.

Nachdem sich der Arme wochenlang mit seiner Nase geplagt hat, mit den damit verbundenen Schmerzen bei Berührungen, auch beim Fressen, dem schlecht Luft-Bekommen, den Niesattacken, dem ständigen Ausfluss von Sekret, was ihn auch nächtens kaum richtig zur Ruhe kommen ließ, habe ich ihn gestern nach Erhalt der ernüchternden Befunde gehen lassen. Die sozialen Kontakte mit meinen anderen Dreien hatte er schon seit Wochen eingestellt, aus Angst vor Schmerzen bei Berührungen – sie akzeptierten das und kamen ihm nie zu nahe. Nur zu mir suchte er noch manchmal Nähe, vorsichtig mit der Nase, um sich streicheln und berühren zu lassen.

So schlimm, wenn du nichts tun kannst, um zu helfen, zu lindern, zusehen musst, wie dein Herzenshund immer weniger wird.

Dann der Gang zum „Schafott“. Amani hatte nie Angst vorm Tierarzt. Aber es fühlt sich scheußlich an, einem quasi Ahnungslosen in Bezug auf sein unmittelbar bevorstehendes Schicksal Sicherheit zu vermitteln, Ruhe auszustrahlen, ihn  zu halten im entscheidenden Moment , da er die Spritzen erhält, die ihn aus unserer Welt befördern. Da kommst du dir vor wie ein Betrüger, als hättest du den Freund, der dir vertraute, verraten. Ich bekomme noch einige Minuten alleine mit dem Sterbenden gewährt, in denen ich mich meiner Trauer überlassen kann ohne Zuseher.

Irgendwann kommt der Moment, in dem du realisierst, dass alles Leben aus dem gewichen ist, der dir so viele Jahre ein verlässlicher Begleiter war, obschon sein Körper noch die vertraute Wärme ausstrahlt („Es wird aussehen, als wäre ich tot, und das wird nicht wahr sein …“). Du musst dich verabschieden. Für immer. Zumindest von der körperlichen Hülle („Man soll nicht traurig sein um solche alten Hüllen …“). Redest dir selbst gut zu, dass sein wahrer Geist, oder seine Seele, ewig sei und immer gegenwärtig. Dass er auf dich und sein Rudel schauen wird. Euch weiterhin begleitet.

Das Verlassen der Tierarztpraxis. Ins Auto. Zu den anderen Dreien, die dir in diesem Moment kein Trost sind. Später dann, ja. Aber in diesem Augenblick, nein.

Die Fahrt nach Hause. Unter Tränen. Zweimal entringt sich mir ein Schmerzensschrei. Ein befremdlicher Klang. Aus tiefstem Innern.

Mechanisch füttere ich die drei Verbliebenen. Leere. Schmerz. Tränen. Mein Amani. Es dauert lange, bis ich einschlafe.

Und wieder lese ich heute den „Kleinen Prinz“, wie schon vor zehn Jahren, als mich Shani, meine Ridgebackhündin, viel zu früh verlassen hat. Und wieder weine ich dabei.

„Und wenn du dich getröstet hast (man tröstet sich immer), wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Und du wirst immer mein Freund sein.“

(Zitate aus „Der kleine Prinz“, Antoine de Saint-Exupéry)

Leb wohl, Amani, wir sehen uns.



2 Antworten zu “AMANI (16.08.08 – 26.04.18)”

  1. Barbara Kavlik sagt:

    Lieber Markus!
    Es tut mir unendlich leid! Amani wird immer in deinen Herzen bleiben, er war ein ganz besonderer Hund!
    Ganz liebe Grüße Babsi, Lucy und Steffi

  2. Kurt Aufderklamm sagt:

    Ein wunderschönes Nachwort, das Amani gut tun wird. Ich kann deine Gefühle nachvollziehen, weil ich deine Beziehung zu Amani viele Jahre miterleben konnte und deine Liebe zu ihm sehen Konnte. Tröste dich mit seinen drei Gefährten und hab sie lieb wie du ihn geliebt hast. Papa. 💔

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.